Parallelrinnen und –rücken formen dieses einzigartige Landschaftsbild

von Hilke Hinrichs

Das Ammerland bietet eine abwechslungsreiche Landschaft. Es ist geprägt von Geest, Moor und Marschen mit ihren typischen Tier- und Pflanzenarten. Eismassen und Schmelzwasser haben vor rund 12.000 Jahren das Ammerland geformt und zu dem gemacht, was wir heute als reizvolle, vielfältige Parklandschaft kennen und lieben. Ein auffallend paralleles System zahlreicher und regelmäßiger Talrinnen überzieht die Geestflächen, sodass ein Wechsel von höheren trockenen Geestrücken und tieferen feuchten bis nassen Bäkentälern mit Wiesen und Weiden entstehen konnte. Diese Bäken fließen wie einst das Schmelzwasser zum überwiegenden Teil in südwestliche Richtung in die Leda-Jümme-Niederung, zu einem kleineren Teil nach Osten über die Hunte in die Weser und mit natürlichem Gefälle nach Nordosten in das Wesertal.

Prallelrinnenlandschaft

Quelle: http://www.lgln.de

Diese Talrinnenlandschaft mit den höher liegenden Geestrücken, die aus Ablagerungen in den Eiszeiten und den nacheiszeitlichen Flugsanden entstanden sind, ist in dieser ausgeprägten Form einzigartig für ganz Nordwestdeutschland.

Umschlossen wird diese Talrinnenlandschaft von Moor. Diese Moorgebiete machten ursprünglich einmal ein Viertel des Ammerlandes aus. Damit gehört der Landkreis Ammerland sicherlich zu den moorreichsten Regionen in Niedersachsen. Heute sind die Moore bis auf wenige Restflächen kultiviert und in Grünland oder Ackerland umgewandelt. Sie prägen die Landschaft, Geschichte und die Menschen des Landkreises in hohem Maße. Der Erhaltung der Restflächen dieser ursprünglichen Landschaft wird eine besondere Bedeutung beigemessen. Deshalb wurden in einigen Hochmoorresten die Wachstumsbedingungen für die Torfmoose verbessert. Das ging nur durch die Anhebung des Wasserstandes. Da die Restmoorflächen nicht unabhängig von dem Entwässerungssystem der umliegenden landwirtschaftlich genutzten Flächen sind, musste für diese Maßnahme hydrologische Unabhängigkeit geschaffen werden. Beispiele gelungener Wiedervernässungsmaßnahmen gibt es im Hollweger Moor bei Westerstede, im Ipweger Moor bei Rastede oder im Fintlandsmoor/Dänikhorster Moor bei Bad Zwischenahn/Edewecht.

Das Mosaik dieser vielfältigen Landschaften einschließlich der unterschiedlichen Nutzungen ergeben die besondere Eigenart und Schönheit des Ammerlandes. Alle diese Landschaften beherbergen eine Vielzahl an Lebensräumen für besondere Pflanzen- und Tierarten. Die Erhaltung dieser Kulturlandschaft mit all ihren geschilderten prägenden Elementen spielt im Ammerland eine wichtige Rolle. Möglich wird sie nur durch das Miteinander aller Akteure: des Bürgers, des behördlichen oder ehrenamtlichen Naturschutzes, der Landwirtschaft, des Gartenbaus, der Forstwirtschaft und der Wasserwirtschaft. Nur weil hier alle an einem Strang ziehen, können die vielen Gesichter der „Parklandschaft“ Ammerland auch für die Zukunft erhalten werden.